Däumelinchen (Hans Christian Andersen)

Es war einmal eine Frau, die sich nichts sehnlicher wünschte als ein Kind. Sie wusste aber nicht, woher sie es nehmen sollte. Da ging sie zu einer alten Hexe und sagte zu ihr: "Ich möchte herzlich gerne ein kleines Kind haben, kannst du mir nicht sagen, wo ich es herbekommen kann?" "Damit wollen wir schon fertig werden!", sagte die Hexe. "Da hast du ein Gerstenkorn; das ist aber nicht von der Art, wie sie auf dem Felde wachsen oder wie es die Hühner zu fressen bekommen. Leg es in einen Blumentopf und warte, dann wirst du schon sehen!" "Ich danke dir!", sagte die Frau, gab der Hexe fünf Groschen und ging nach Hause. Dort pflanzte sie das Gerstenkorn ein, und sogleich wuchs daraus eine wunderschöne große Blume. Sie sah aus wie eine Tulpe, aber ihre Blätter schlossen sich noch fest zusammen, gerade als ob sie noch in der Knospe wären. "Ist das eine herrliche Blume!", sagte die Frau und küsste sie auf die roten und gelben Blätter. Aber gerade wie sie darauf küsste, öffnete sich die Blume mit einem Knall, und in der Mitte, auf dem grünen Samengriffel, saß ein winzig kleines Mädchen, fein und niedlich. Es war nicht größer als ein Daumen, und deswegen wurde es Däumelinchen genannt.

Däumelinchen wird von der hässlichen Kröte geraubt. Und so beginnt ihre lange Reise. Die Schwalbe wird ihre Freundin. Aber ob Maikäfer, Feldmaus und Maulwurf es auch so gut mit ihr meinen?